Messeaudit auf der AGRITECHNICA: Benchmarking dort, wo die Branche sich zeigt

Messeaudit auf der AGRITECHNICA: Benchmarking dort, wo die Branche sich zeigt

Die AGRITECHNICA ist nicht nur eine internationale Leitmesse für Landtechnik – sie ist ein realer Marktspiegel in XXL. Für Costineers war sie daher der ideale Ort, ein umfassendes Messeaudit durchzuführen. Kaum ein anderer Kontext bietet eine derart dichte, direkte und unverzerrte Darstellung dessen, was der Markt aktuell leistet. Maschinen und Fahrzeuge stehen offen zugänglich nebeneinander. Man kann sehen, wie Wettbewerber denken, konstruieren, vereinfachen oder auch überingenieurte (auf Neudeutsch) Lösungen einsetzen. Diese Transparenz eröffnet enorme Chancen – vor allem, wenn es um Benchmarking, Produktoptimierung und Kosteneinsparungen geht, aber auch ganz simple welche Zusatzfunktionen Wettbewerber für Kunden anbieten…und sei dies nur der fancy gestaltete Getränkehalter auf Mundhöhe.

Die Messe als „Open-Air-Labor“: Konkurrenz auf engstem Raum

Normalerweise muss ein Produkt erst gekauft oder beschafft werden, bevor man es im Detail analysieren kann (klassischer Tear Down Workshop im Rahmen eines Cost Value Engineering Projekts). Auf einer Messe wie der AGRITECHNICA gilt das nicht. Dort stehen komplette Fahrzeugreihen – vom Basismodell bis zur High-End-Maschine – in unmittelbarer Nachbarschaft.

Für uns als „Auditteam“ bedeutet das:

  • Direkter 1:1-Vergleich aller relevanten Wettbewerbsprodukte
  • Sichtbarkeit von konstruktiven Lösungen ohne Demontage
  • Erkennen von funktionalen Stärken und Schwächen einzelner OEMs
  • Identifikation von Trends, Systemarchitekturen und Plattformstrategien
  • Beobachtung von Variantenkonzepten und Funktionsumfängen

 

Dieser simultane Vergleich ist extrem wertvoll, weil er eine analytische Schärfe erzeugt, die im normalen Projektalltag oft fehlt. Man sieht auf einen Blick, wie unterschiedlich identische technische Anforderungen umgesetzt werden – und welche Auswirkungen das vermutlich auf Kosten, Fertigungsaufwand und Servicefreundlichkeit hat.


Potenziale erkennen, bevor das Fahrzeug jemals in einem Tear Down Workshop war

Ein häufig unterschätzter Punkt: Viele Kostensenkungsansätze entstehen nicht erst beim Zerlegen eines Fahrzeugs – sondern viel früher.

Auf der Messe erkennt man bereits:

  • Überflüssig komplexe Lösungen anderer Hersteller
  • Oder im Gegenteil: smart vereinfachte Systemansätze, die ein eigenes Produkt schlanker machen könnten
  • Alternative Befestigungskonzepte
  • Leitungsführungen, die Servicekosten drastisch reduzieren
  • Materialsubstitutionen und neue Werkstofftrends
  • Komponenten, die möglicherweise zugekauft statt aufwendig selbst produziert werden

 

Gerade dieser erste „Ideenfunke“ ist enorm wertvoll. Noch bevor ein OEM Budget für ein vollständiges Tear-Down ausgibt, kann Costineers konkrete Hinweise liefern, wo Potenziale schlummern – und welchen Herstellern man besondere Aufmerksamkeit schenken sollte.

Der Vorteil: Überblick vor Detailtiefe – und damit ein sehr effizienter Start in ein späteres Cost Value Engineering Projekt.


Systematische Benchmarking-Methodik: Struktur statt Spaziergang

Ein Messeaudit ist kein zufälliges Umherschlendern, sondern folgt einem klaren Prozess. Bei Costineers umfasst dieser typischerweise:

  1. Definition der Zielsysteme Welche Baugruppen, Funktionen oder Varianten sollen besonders beobachtet werden?
  2. Strukturiertes Aufnahmeformat Fotos, technische Beobachtungen, Skizzen, Messpunkte, Vergleichskriterien.
  3. Vergleich über mehrere Hersteller hinweg Bewertung nach Kriterien wie Fertigungsvereinfachung, Komponentenstandardisierung, Innovationsgrad oder Variantenlogik.
  4. Hypothesenbildung zu Kosteneinflüssen Wo könnte diese Lösung günstiger sein? Wo teurer? Wo steckt möglicherweise eine strategische Entscheidung dahinter?
  5. Dokumentation in Auswertungsmappen Klar gegliedert – für spätere Deep-Dive-Analysen oder Workshops.

 

Dadurch entsteht ein objektives, belastbares Bild vom Markt – nutzbar für Engineering, Einkauf, Produktmanagement und Managemententscheidungen.


Gespräche vor Ort: Der unterschätzte Informationsschatz

Ein weiterer Vorteil des Messeaudits liegt jenseits der Fahrzeuge: die Gespräche mit Vertrieb, Produktmanagern und Standpersonal.

Viele unterschätzen, wie offen die Ansprechpartner auf Fachmessen sprechen – gerade wenn das Gespräch auf Augenhöhe stattfindet.

Typische Informationen, die man bekommt:

  • Hintergrund zu neuen Modellgenerationen
  • Fertigungstiefen und Make-or-Buy-Strategien
  • Herausforderungen in der Produktion und Qualität
  • Gründe für bestimmte technische Auslegungen
  • Hinweise auf Lieferanten, Systempartner oder Entwicklungskooperationen
  • Informationen über geplante Ausstattungsbereinigungen oder Serienvereinfachungen
  • Markttendenzen, Preisbereiche und Positionierungsstrategien

 

Diese Insights verknüpfen sichtbare Technik mit unsichtbaren Entscheidungslogiken. Damit entsteht ein viel vollständigeres Bild, als ein reiner statischer Produktscan je liefern könnte.


Warum Messeaudits ein strategisches Instrument sind – nicht nur eine technische Spielerei

Für Costineers sind Messeaudits nicht nur ein technisches Werkzeug, sondern ein strategischer Baustein, um:

  • frühzeitig Projektschwerpunkte zu identifizieren
  • Cost-Down-Potenziale zu erkennen
  • Alternative Ansätze anderer OEMs systematisch zu verstehen
  • Innovationsschwerpunkte zu spotten
  • Engineering und Einkauf zielgerichteter auszurichten
  • Tear-Down-Strategien gezielter zu planen

 

Zudem liefern sie ein kompaktes, äußerst marktnahes Bild – genau das, was viele Entscheider benötigen, bevor weitreichende Cost Engineering- oder Produktentscheidungen getroffen werden.


Fazit: Messeaudits schaffen Klarheit, Inspiration und Kostenvorteile

Das Messeaudit auf der AGRITECHNICA hat deutlich gezeigt, welchen Wert ein solcher Ansatz hat: Es bietet schnelle Transparenz, fundierte Vergleiche und liefert erste konkrete Optimierungsimpulse, lange bevor überhaupt ein Werkzeug angefasst oder ein Fahrzeug zerlegt wird.

Für Unternehmen, die Kosten senken, Produkte verbessern oder den Markt besser verstehen wollen, ist ein Messeaudit daher ein hocheffizientes und oft unterschätztes Instrument.

Costineers nutzt diese Gelegenheit konsequent – und zeigt, dass bereits auf dem Messestand der erste Schritt zu erfolgreichen Kosteneinsparungen beginnt.

Vom Kostenprojekt zum lebenden System

Vom Kostenprojekt zum lebenden System

Wir Deutschen lieben die Gründlichkeit. In kaum einem anderen Land wird so sorgfältig gerechnet, geprüft, dokumentiert – auch, wenn es um Kosten geht. Doch gerade dort zeigt sich ein bekanntes Muster: Man startet ehrgeizig, investiert Zeit und Expertise, erstellt komplexe Kalkulationen – und legt sie danach in die Schublade.

Das Phänomen hat einen Namen: Should Costing. Eigentlich gedacht als strategisches Instrument zur Kostensteuerung, bleibt es in vielen Unternehmen ein statisches Projekt, ein einmaliger Kraftakt ohne Wiederkehr. Das Ergebnis: Nach Monaten ist der Aufwand vergessen, die Daten veraltet, die Erkenntnisse verpufft. Und die wichtigste Frage bleibt unbeantwortet: Wie kann man Should Costs lebendig halten – aktuell, relevant, wirksam?


Das Missverständnis der Einmaligkeit

Viele Organisationen behandeln Should Costing wie eine Sonderaufgabe: ein Projekt mit Start, Ziel und Abschlussbericht. Doch Kostenstrukturen sind keine Momentaufnahme. Sie verändern sich täglich – mit Rohstoffpreisen, Lieferketten, Wechselkursen, Produktionsstandorten.

Was heute eine präzise Kalkulation ist, kann morgen schon ein Zerrbild sein. Der Aufwand, solche Analysen zu erstellen, führt dann paradoxerweise dazu, dass sie ungenutzt bleiben. Zu mühsam, zu aufwendig, zu selten aktualisiert. Das Ergebnis ist Stillstand im Verzeichnis „Completed Projects“.

Dabei liegt der eigentliche Wert des Should Costing nicht in der Berechnung selbst, sondern in seiner Wiederverwendung. Kostentransparenz entfaltet ihre Wirkung erst, wenn sie regelmäßig erneuert wird.


Vom Modell zum Managementinstrument

Die Lösung ist nicht, Should Costing noch detaillierter oder aufwendiger zu betreiben. Sondern dynamischer. Was es braucht, ist der Schritt vom Projekt zum Prozess – vom statischen Modell zum lebenden System.

Dynamic Should Costing heißt dieser Ansatz: Ein System, das sich selbst aktualisiert, gespeist durch Marktintelligenz, Indizes und Lieferantendaten. Ein System, das nicht im Archiv verstaubt, sondern sich mit der Realität bewegt.

Das Prinzip ist einfach, aber wirkungsvoll:

  • Build: Ein solides Fundament – Kostenstruktur, Datenmodell, Rollen, Prozesse.
  • Monitor: Permanente Beobachtung von Markt- und Materialtrends.
  • Refresh: Regelmäßige, automatisierte Aktualisierung der Daten.
  • Apply: Aktive Nutzung als Entscheidungsgrundlage in Einkauf, Engineering und Management.

 

So wird aus Should Costing kein abgeschlossenes Zahlenwerk, sondern ein Kreislauf – ein lernendes Instrument, das im Rhythmus des Marktes schlägt.


Der menschliche Faktor: Verhalten statt Rechenleistung

Technisch ist das alles machbar. Die eigentliche Herausforderung liegt, wie so oft, im Verhalten. Die Hürde ist nicht der Mangel an Daten, sondern der Mangel an Bewegung. Viele Unternehmen verharren in der Logik: „Wir machen das einmal richtig – und dann passt es schon.“

Doch Märkte sind dynamisch. Aluminiumpreise, Energie, Löhne – sie ändern sich wöchentlich. Wer Kostenstrukturen nur einmalig analysiert, arbeitet bald mit historischem Material.

Aktuelle Kostenwahrheit entsteht durch Haltung, nicht durch Software. Sie entsteht, wenn Teams bereit sind, Daten als lebendes Gut zu behandeln – nicht als archivierten Bericht. Wenn Einkauf und Engineering gemeinsam Verantwortung für Aktualität übernehmen. Wenn man akzeptiert, dass Perfektion kein Zustand ist, sondern ein Prozess.


Skalierung durch Einfachheit

Der Weg zu nachhaltiger Kostentransparenz beginnt nicht mit großen Plattformprojekten, sondern mit kleinen Routinen: Regelmäßige Daten-Refreshes statt Vollanalysen. Automatisierte Marktfeeds statt manuelle Updates. Dashboards statt PDF-Ordnern.

Zusammen mit unserem Partner von Valuemize lassen sich Rohstoffindizes, Benchmarks und Supplier Insights automatisiert einbinden – so bleiben Kalkulationen aktuell, ohne dass jede Woche neue Analysen nötig wären.

Das Ziel ist Entlastung, nicht Überforderung: Should Costing wird so zum Kompass für Entscheidungsträger, nicht zur Last für Fachabteilungen.


Warum das Ganze?

Weil veraltete Kostenmodelle gefährlich sind. Sie täuschen Stabilität vor, wo sich längst etwas verschoben hat. Und sie schwächen die Verhandlungsposition gegenüber Lieferanten, die ihre Preise längst angepasst haben.

Wer dagegen mit dynamischen, datengestützten Modellen arbeitet, verhandelt faktenbasiert. Er erkennt Trends, bevor sie zur Kostenwelle werden. Er kann differenzieren zwischen Preis und Kosten – und sieht, wo Marge, Material und Fertigung wirklich stehen.

Das ist die eigentliche Stärke von Should Costing: nicht Kontrolle, sondern Erkenntnis.


Vom Excel-Projekt zur Unternehmensroutine

Viele fragen: Braucht man dafür spezielle Tools? Die Antwort lautet: Nein – aber man braucht Konsequenz.

Costineers arbeitet tool-agnostisch: ob in Excel, Siemens TcPCM, Tset oder Facton – entscheidend ist nicht das Werkzeug, sondern die Denkweise. Kostenmethodik ist kein Softwarethema, sondern ein Führungsinstrument. Das Entscheidende ist, dass die Ergebnisse verständlich, nützlich und zugänglich sind – für alle, die mit ihnen arbeiten.

Denn nur, was verstanden und genutzt wird, verändert Verhalten.


Was bleibt

Should Costing ist kein Rechenexempel, sondern ein Kulturthema. Wer seine Kosten kennt, gestaltet seinen Markt. Wer sie nur einmal berechnet, verliert den Anschluss.

Dynamic Should Costing ist daher mehr als eine Methode – es ist eine Haltung: aktuell statt statisch, anwendbar statt archiviert, wirksam statt perfekt.

Und genau das ist der Kern von Kostenkompetenz im 21. Jahrhundert: Nicht die schönste Kalkulation gewinnt, sondern die lebendigste.


Fazit: In einer Welt dynamischer Märkte braucht es lebende Kostenmodelle. Unternehmen, die ihre Should Costs als lernendes System verstehen, treffen bessere Entscheidungen, verhandeln auf Augenhöhe und nutzen Ressourcen effizienter.

Der Weg dahin ist kein Großprojekt, sondern eine Gewohnheit – gepflegt durch Regelmäßigkeit, getragen von Haltung, unterstützt durch Daten.

Oder einfacher gesagt: Vom Rechenwerk zum Werkzeug. So wird aus Should Costing das, was es sein sollte – ein echter Werttreiber.